Schmitt-Rousselle
            
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Ardo Schmitt - Rousselle

Die 16 Ehrwürdigen

Im 9. Jahrhundert schuf der chinesischen Zenmeister Guàn Xiū 貫休 die 16 Portraits der Ehrwürdigen (Luóhàn), die sich kraft ihrer spirituellen Aussage und Wirkung deutlich über gängige idealisierte Darstellung von Heiligen in Ost und West erheben. Diese 16 Schüler Buddhas sind vollendet Erleuchtete und doch schier unsterblich – ein Paradoxon zwischen Sein und Nichtsein. Der Maler präsentiert uns 16 Bewusstseinssphären, mit denen wir – meditativ – in Resonanz treten können.

Rund ein Jahrtausend später suchte und fand der mächtigste Herrscher seiner Zeit, der Qián Lóng 乾隆 Kaiser, diese Bildrollen. Zu jedem Ehrwürdigen verfasste er ein Gedicht, das den besonderen Bewußtseinssphären nicht nur entspricht, sondern auch den Betrachter anleitet, meditativ dorthin zureisen, bzw. das "dort" in das "hier" zu holen. Jedes Porträt mit seinem Gedicht enthält Weisheit aus tiefem Urbewußtsein, das sich jedem in eigener Betrachtung offenbart.

Die hier wiedergegebenen Unikate wurden 1777 zusätzlich mit den entsprechenden tibetischen Versen versehen und durch den Reichslehrer Zhāng Jiā 章嘉, dem 3. lCang sKya , eingesegnet.

778 - 880

Guàn Xiū 貫休 arbeitet an den ersten zehn Ehrwürdigen.

894 - 896

Guàn Xiū 貫休 stellt die 16 Ehrwürdigen fertig.

1757

Der Qián Lóng 乾隆 – Kaiser verfasst die Gedichte und gibt die Steinschnitte in Auftrag.

1764

Der Abt Míng Shuǐ 明水 berichtet über die Fertigstellung der neuen Steinplastiken.

1777

Hinzufügung der tibetischen Verse sowie des tibetischen und mongolischen Kolophons. Einsegnung durch den Reichslehrer Zhāng Jiā 章嘉.





Andere Schreibweisen der Hauptdarsteller:

Guànxiū 貫休 (832-912)

Guàn Xiū, Kuan-hsiu, Guan Hsiu

Qiánlóng 乾隆 (1711 – 1799)

Qián Lóng, Chien-lung, Tjiänlung

Zhāng Jiā 章嘉 (1717 – 1786)

Namen lCang sKya Rol Pa'i rDo rJe, Cangkya Rölpe Dorje

 

Kurzbeschreibung:

Die Steinschnitte der 16 Luohans zählen zu den bedeutendsten Werken buddhistischer Kunst. Sie wurden von Guan Xiu (貫休) (832-912) geschaffen. Die 16 Luohan (羅漢, korrekter 阿羅漢) stellen die 16 legendären Arhats dar. Im Gegensatz zu den Abbildungen von Buddhas, Boddhisattvas oder auch einem Götterpantheon werden diese Luohans als ausgeprägte Individuen gezeigt. Der Luohan ist eben kein "übermenschliches" Wesen, sondern hat auf seinem individuellen Lebensweg zur Erkenntnis der Wirklichkeit gefunden. Er erhebt sich nicht über das Menschsein: er ist ein Weiser in der Welt - doch von dieser unberührt.

Der chinesische Qián Lóng 乾隆 - Kaiser besuchte 1756 das Kloster Shèngyīn 聖因 in Hángzhōu 杭州, in dem die Originale aufbewahrt waren. Voll Bewunderung verfasste er für jeden Luohan ein Gedicht und ließ durch den Reichslehrer Zhāng Jiā 章嘉 (lCang sKya Rol Pa'i rDo rJe, der 3. Cangkya-Tulku) die chinesische Schreibweise der Namen und ihre Reihenfolge aktualisieren, wie in seinem Schlusstext beschrieben. Beides wurde den Steinschnitten zugefügt. Diese Arbeiten waren 1764 fertiggestellt, wie aus dem Abschlussbericht des Abts Ming Shui 明水 hervorgeht.

Der hier gezeigte Satz, der vor ca. 100 Jahren in China erworben wurde, ist singulär: Jeder Luohan ist zusätzlich mit einer tibetischen Beschreibung versehen. Den letzten Luohan ziert noch ein tibetischer Kolophon, ein Segensspruch auf Sanskrit sowie ein mongolischer Schlußtext, in dem die feierliche Einsegnung der herbeigebrachten Darstellungen am 25.10.1777 durch den Reichslehrer Zhang Jia (lCang sKya Rol Pa'i rDo rJe) berichtet wird.
Da die Steinschnitte während der Taiping Revolution (1851 - 1864) zerstört wurden, muss der vorliegende Louhansatz vorher entstanden sein, in Anbetracht des mongolischen Zusatzes wohl tatsächlich 1777.

Die Steinabriebe messen 50 X 120 cm. Sie sind, wie in China üblich, als Rollbilder gefertigt, die 57 X 150 cm messen.
Der ursprüngliche Name und seine Position finden sich oben links oder rechts, die neuen zweispaltig darunter. Das dazugehörige Gedicht ist dem Namen gegenüber eingraviert. Die tibetischen Verse sind unten in rot geschrieben. Die Schlusstexte finden sich auf der Darstellung des 16. Luohans.

 


Beispiel:

Der 6. Luohan

6. Louhan
Sanskrit: Bhadra  
Guan Xiu: Dan Mei Luo Ba Tuo 躭沒囉跋陁
Qian Long: BaHa DaLa 拔哈達喇
Tibetisch: bZang Po བཟང་པོ
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Text links oben:  
第六躭沒囉跋陁尊者 Der sechste Ehrwürdige Dan Mei Luo Ba Tuo.
今字為拔哈達喇尊者 Jetzt wird der Ehrwürdige BaHa DaLa umgeschrieben
位第六 (und nimmt) den 6. Platz ein.

Text rechts oben (das Gedicht des Kaisers):

灌頂豐頤,著水田衣。
七佛说偈,都得闻之。
目窮色空,任其蚌鷸。
趺坐盘陀,行脚事畢。

Er hat ein geschorenes Haupt und volle Backen,
er trägt Kleidung für das Reisfeld.

Der sieben Buddhas Gesänge (gāthā),
alle diese hat er gehört.

Er schaut ans äußerste Ende von Form und Leere.
Er lässt Auster und Reiher sich streiten.

Im Lotussitz setzt er sich nieder
am Ende seiner Fußwanderung.

Text unten:  
ཆུ་བོ་ཡ་མུ་ནའི་གླིང་ན་། Auf einer Insel des Flusses Yamuna
འཕགས་པ་གནས་བརྟན་བཟང་པོ་ནི་། (weilt der) edle Arhat bZang Po
དགྲ་བཅོམ་སྟོང་དང་ཉིས་བརྒྱས་བསྐོར་། umgeben von 1200 Arhats,
ཆོས་འཆད་མཉམ་གཞག་མཛད་ཕྱག་འཚལ་། in Lehr- und Meditationshaltung. (Dir) sei Verehrung.
བླ་མ་འི་སྐུ་ཚེ་འི་བརྟན་པ་དང་། Für ein lebenslanges Vertrauen in den Lehrer und
བསྟན་པ་རྒྱས་པར་བྱིན་གྱིས་རློབས་།། zur Ausbreitung der Lehre gewähre (Deinen) Segen!

 


Ardo Schmitt- Rousselle, Die 16 Ehrwürdigen, Aschaffenburg 2014.
ISBN 978-3-928021-14-2.

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